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Modernes Giebelmosaik erstrahlt in Pill Giebel von Kirchen mit Mosaiken oder Fresken sind in Tirol zahlreich. Doch das neue Gibelmosaik der Piller Pfarrkirche ist eine Besonderheit. Die meisten Mosaike an Kirchenfassaden stammen vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Haben diese Mosaike im damals gängigen Nazarenerstil schon allein durch ihre Vielzahl beeindruckend, so hat sich Ende des 20. Jahrhunderts ein moderner Stil durchgesetzt. In Unterperfuss ist zum Beispiel eine naturalistische und dennoch abstrahierte Darstellung der hl. Katharina in Mosaik gesetzt. Das Motiv „Anna Selbdritt“ Die Pfarrkirche in Pill ist der hl. Anna geweiht. Dies war für den ortsansässigen Künstler Frank W. Schmidt der Grund, für seine Darstellung im Stil des konstruierten Realismus das Motiv „Anna Selbdritt“ zu wählen. Kunstgeschichtlich existiert dieses Motiv bereits seit dem 13. Jahrhundert. Es zeigt die hl.Anna, die Mutter von Maria, und Maria selbst. Gemeinsam halten sie das Christuskind. In der Figurenkomposition hält sich Schmidt an die Tradition. In hierarchischer Anordnung sitzt Anna auf einem stilisierten Thron zentral vor ihrer Tochter. Anna wird ins Heilsgeschehen miteinbezogen. Sie gilt als die Patronin der Brautleute und werdenden Mütter sowie zahlreicher Zünfte und der Gewerbetreibenden. Alles im göttlichen Licht Schmidt hat eine realistische Darstellung gewählt. Er durchzieht das ganze Bild jedoch mit Konstruktionslinien, nach denen die Körper sich richten bzw. die Lichtführung verläuft. Schlüssig aus der Konstruktion heraus erscheint oberhalb der Figurengruppe ein göttliches Dreieck, das mit Lichtstrahlen das gesamte Bild durchflutet. Alles wird von göttlichem Licht durchdrungen. Sechs Monate Arbeit Den Entwurf von Frank W. Schmidt haben Maria und Gerhard Storch in ein sieben Quadratmeter großes Mosaik gesetzt. Sie haben sechs Monate daran gearbeitet. Der konstruktivistische Stil forderte ihnen eine ganz neue Herangehensweise ab. Von der Witterung unabhängig erstrahlen die venezianischen Glassteinchen (Smalten) in den Grundfarben. Der Mantel von Anna in blau, das Gewand von Maria rot. Sie stehen vor goldigem Grund (Zeichen der Transzendenz) auf einem grünen Streifen. Das Mosaik entstand in indirekter Setztechnik. In ihrer Werkstätte in Zirl klebten Maria und Gerhard Storch die Smalten in langwieriger Kleinarbeit auf Spezialpapier. Sie setzten das Motiv spiegelverkehrt. Die spätere Vorderseite befand sich verdeckt auf dem Papier. Anfang Mai montierten die beiden das Mosaik an der Giebelwand der Kirche. Es besteht aus 70.000 Glassteinchen. Am 20.Mai, Fest Christi Himmelfahrt, wurde das Mosaik feierlich enthüllt und gesegnet. Bischof Manfred Scheuer sandte Grußworte, Ortspfarrer P. Christian Tschiderer zelebrierte die festliche Messe. Text: Daniel Furxer | |